Joachim Fritz-Vannahme
2019-02-11T16:01:22+00:00

Da Vinci 500 – Krach zwischen Rom und Paris

Italien will den 500.Todestag des Universalgenies Leonardo da Vinci in diesem Jahr zum Staatsereignis machen. Der Pariser Louvre

 

glass structure beside brown building

Photo by Irina Ledyaeva on Unsplash

 

plant rund um die Mona Lisa den Maler ebenfalls groß ausstellen. Dafür waren von der vorherigen italienischen Regierung bereits Leihgaben zugesagt worden. Die heutige populistische Regierung mit Vize-Premier Luigi di Maio von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung und Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Lega-Partei will davon nichts mehr wissen.

Das Genie als Zankapfel – das hat noch gefehlt im Krach, der Rom und Paris seit Monaten beschäftigt. Vergangene Woche zog Präsident Emmanuel Macron den französischen Botschafter in Rom ab. Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Europäischen Union seit ihrer Gründung 1957.

Der Gründungsakt fand übrigens in Rom statt. Zwei der sechs Gründungsstaaten waren Frankreich und Italien. Lang, lang ist’s her…

people gathering outside near cathedral during daytime

Photo by Ilnur Kalimullin on Unsplash

 

Der Zwist geht seit Monaten um die Flüchtlingspolitik. Innenminister Salvini hat mehrfach das Einlaufen von Rettungsschiffen untersagt, er fühlt sich nicht zu Unrecht von den übrigen Europäern im Stich gelassen. Am liebsten klagt er das jedoch der französischen Regierung, über Twitter oder im Interview: Frankreich habe, behauptet Salvini, in den vergangen zwei Jahren 60.000 Migranten an der gemeinsamen Grenze zurückgewiesen.

Minister Luigi di Maio traf sich unlängst in Frankreich mit einigen Gelbwesten-Anführern, darunter Christophe Chalencon , der Macron durch einen Militärputsch aus dem Amt jagen will. Als jedoch am vergangenen Wochenende Hunderttausende Italiener in Rom gegen die Regierung Salvini/di Maio demonstrierten, ließ sich dort kein Minister sehen. Gewerkschaftsführer Maurizio Landini stichelte gegen di Maio: Der träfe sich gern mit demonstrierenden Gelbwesten, aber lieber nicht mit den heimischen Demonstranten. In der Tat sollen die provozierenden Auftritte und markigen Worte der Regierung in Rom wohl auch von der schlechten Wirtschaftslage Italiens ablenken.

Schuld am Migrantenstrom nach Europa sei Paris mit seiner neokolonialen Politik in Afrika, erklärte ein führender Fünf-Sterne-Politiker.

Italien solle sich mal lieber mit seiner eigenen, verdrängten Kolonialpolitik beschäftigen, erklärte die italienisch-somalische Schriftstellerin Igiaba Scego („Roma negata“) in Le Monde.

Man muss hier bei der Konfliktsuche gar nicht einmal weit zurück in die Geschichte schauen. Die alliierten Luftangriffe auf Libyen 2011 haben in den Augen mancher Politiker Italiens weniger dem Diktator Muammar al-Gaddafi als den Ölfeldern des italienischen Konzerns Eni gegolten. In jüngster Zeit lieferten sich Rom und Paris zudem geradezu einen Wettlauf um die nächsten Friedensgespräche im zerfallenden Libyen. Auch hier geht es um Einfluss und Prestige – und gegeneinander.

Auch Grenzkonflikte haben das bilaterale Verhältnis seit Gründung Italiens 1861 immer wieder getrübt. Derzeit will die italienische Regierung den 2001 vertraglich vereinbarten Bahntunnel für die Schnelltrasse Lyon-Turin nicht weiterbauen – aus Frankreich droht dann eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe.

Mit Schweigen hat Paris bislang Salvinis Forderung nach Auslieferung der italienischen Terroristen quittiert, denen Frankreich zum Teil seit Jahrzehnten Zuflucht bietet. Nicht immer also liegt Salvini in der Sache daneben. Die Auslieferung des seit 1981 flüchtigen Terroristen Cesare Battisti von Bolivien an Italien am 14.Januar dieses Jahres weckte bei vielen Italienern die fürchterlichen Erinnerungen an die anni di piombi, die bleierne Zeit des Terrors der siebziger Jahre.

Pointe am Rande: Damals zog auch die Industriellen- und Musikerfamilie der Bruni Tedeschi sicherheitshalber nach Frankreich. Mit ihnen die kleine Tochter Carla, als Carla Bruni später die Frau des französischen Präsidenten Nicola Sarkozy. Gegen flüchtige italienische Terroristen ging auch er nicht allzu energisch vor – dafür soll seine Partei für den Präsidentschaftswahlkampf 2007 rund 50 Millionen Euro aus Muammar al-Gaddafis Händen erhalten haben, die Ermittlung läuft noch.

Frankreich ist für Italien der zweitwichtigste Handelspartner, französische Großbanken hatten Ende 2018 der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge Forderungen in Höhe von 311 Milliarden Dollar. Als Staat ist zudem Frankreich und nicht Deutschland der größte Gläubiger Italiens.

Handel schützt nicht vor Händel. In früheren Zeiten hätten beide Seiten vermutlich bereits ihre Truppen mobilisiert.

Davor bewahrt sie heute das Band der Europäischen Union. Noch.

 

 

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  • test comment schrieb am 15.15.2019

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