Joachim Fritz-Vannahme
26. März 2020

Betrachtungen zum #Weltuntergang

Am Donnerstagvormittag, 26.März 2020, finden sich unter Google beim deutschen Suchwort „Weltuntergang“ beachtliche 1.910.000 Einträge in 0,38 Sekunden. Beim englischen „Armageddon“ sind es 31,4 Millionen Einträge, unter „doomsday“ 29,8 Millionen in 0,60 Sekunden.

 

Die Angst vor dem Weltuntergang

 

Den Tipp verdanke ich dem renommierten Historiker Johannes Fried. Denn mit einer solchen Zählung begann er 2016 seinen großen Essay „Dies irae – Eine Geschichte des Weltuntergangs“.

#Coronavirus, auf deutsch gefragt, erzielt im selben Augenblick in 0.60 Sekunde – 7,3 Milliarden Treffer.

 

Die Suche nach verlässlichen Antworten

 

Zur Angst vor dem Weltuntergang kommt hier die Sorge und Suche nach Antworten – seitens der Wissenschaft ebenso wie der Verschwörungstheoretiker. Denn die Suchmaschine macht da keine Unterschiede.

Fried arbeitet in seinem Essay schön heraus, dass die Angst vor dem Weltuntergang seit Jahrhunderten vor allem im christlich-abendländischen Westen Konjunktur hat.

Buddhismus und Hinduismus, Konfuzianismus und selbst der ja mit dem Westen eng verflochtene Islam neigen, so Fried, kaum zu Weltuntergangsängsten.

 

Dieses Virus sucht jeden Winkel des Globus heim

 

Jene 7,3 Milliarden Treffer sprechen also eine andere, eine weltumspannende Sprache. Denn hier wird im Westen wie im Nahen oder Fernen Osten nach Auskunft und Gewissheit gesucht. Das Virus kann jede Kultur, jede Nation, jeden Winkel des Globus heimsuchen und tut das auch.

 

Wie war das damals im Mittelalter mit der Pest?

 

Es gibt für die Corona-Pandemie kein Drehbuch und schon gar kein Trostbuch. Als zwischen 1346 und 1353 der Schwarze Tod in Europa geschätzte 25 Millionen Todesopfer, ein Drittel der damaligen Bevölkerung, in manchen Gegenden noch weit mehr, forderte, offenbarte die Seuche „auf grausamste Weise die Grenzen menschlicher Belastbarkeit und Toleranz“. Das schreibt der Medizinhistoriker Klaus Bergdolt in seinem Buch „Der Schwarze Tod in Europa“. Erst aus sicherem Abstand und im Rückblick der historischen Analyse lässt sich der Untertitel formulieren: „Die Große Pest und das Ende des Mittelalters“.

 

Das Ende einer Welt, wie wir sie gewohnt sind

 

Viele, auch mich, beschleicht heute eine Ahnung, dass die Corona-Pandemie nicht den Weltuntergang bedeutet. Aber womöglich doch das Ende einer Welt, an die wir uns ahnungslos oder leichtsinnig gerade gewöhnt hatten.

 

Aufnahme: Yomex Owo on Unsplash

 

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