#Europa, mehr #Innovation wagen!

Um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können, sind Innovationen unerlässlich. Das gilt in Zeiten von COVID-19 mehr denn je. Hier hinkt Europa jedoch im Vergleich zu anderen Weltregionen wie Nordamerika oder Ostasien immer weiter hinterher. Das zeigt eine Studie zu Weltklassepatenten in 58 Zukunftstechnologien . Ein möglicher Ansatz zur Verbesserung dieser Situation: Mehr europäische Zusammenarbeit!

 

Warum der Fokus auf Weltklassepatente?

 

Weltklassepatente sind jene 10 Prozent der Patente aus dem aktiven Patentportfolio, welche anhand der beiden Kriterien Marktabdeckung und Zitationen bei nationalen Patentämtern als am bedeutendsten eingestuft werden.

Diese Weltklassepatente werden differenziert hinsichtlich 58 Zukunftstechnologien betrachtet, die in den kommenden Jahren großen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft haben werden. Um größere Linien besser fassbar zu machen, werden sie zehn Technologiebereichen zugeordnet. Betrachtet werden dabei die Jahre von 2000 bis 2019.

 

Europäische Schwächen, europäische Stärken

 

Europa insgesamt hat in den letzten zwanzig Jahren im Vergleich zu anderen Weltregionen an Innovationskraft in zentralen Zukunftstechnologien eingebüßt. Größter Schwachpunkt ist der Bereich Digitalisierung. In den entsprechenden Technologien wie Quantencomputing, Blockchain oder Künstliche Intelligenz ist Europa über den gesamten Zeitraum auf schwachem Niveau verblieben. Der Brexit wiegt an dieser Stelle besonders schwer, da Großbritannien in diesem Bereich noch am stärksten aufgestellt ist.

Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht. Insbesondere der Bereich der Gesundheitstechnologien, welcher durch die Corona-Krise vor allem über Impfstoff-Diskussionen nochmals an Bedeutung gewonnene hat, weist eine Vielzahl von europäischen Weltklassepatenten auf (Abb. 1). In anderen Technologiebereichen wie Industrie oder Mobilität kann Europa von alten Stärken zehren. Diese gilt es für Europa zu erhalten und durch eine Verbesserung bei digitalen Technologien mit Querschnittsfunktion auszubauen.

 

Viel Heterogenität im europäischen Innovationsgeschehen

 

Die besonders guten Patenterfolge in der europäische Innovationslandschaft sind sehr ungleich verteilt (Abb. 2). Während die Schweiz mehr als 1.000 Weltklassepatente auf eine Millionen Einwohner*innen auf sich vereinen kann, sind es in vielen osteuropäischen Staaten nicht einmal 100. Diese großen Disparitäten bei besonders wichtigen Forschungserfolgen könnten auch wirtschaftliche Konvergenzprozesse auf Dauer erschweren. Hier könnte eine Unterstützung von forschungsschwächeren Staaten in Europa sich langfristig mit Blick auf gleichwertigere Lebensverhältnisse und damit auch mehr europäischen Zusammenhalt auszahlen.

 

Bessere Förderung europäischer Forschungskooperationen

 

Neben der besseren Verteilung von Forschungserfolgen zwischen europäischen Staaten sollte es ein Anliegen Europas sein, im internationalen Wettbewerb mit den USA, China und anderen aufstrebenden Schwellenländern innovativer zu werden. Ein Lösungsansatz besteht in der Förderung von Forschungskooperationen über europäische Staaten hinweg, denn die Ergebnisse zu den Weltklassepatenten in Zukunftstechnologien legen nahe, dass europäische Staaten in jenen Zukunftstechnologien in denen sie besonders viel kooperieren auch besonders viele Weltklassepatente vorweisen können (Abb. 3).

Eine gute Richtung für einen eigenen europäischen Weg kann dabei der Einklang von Gesellschaft und Wirtschaft sein. Mariana Mazzucato geht beispielsweise davon aus, dass die radikalsten Innovationen auf den Staat und nicht auf private Unternehmen zurückgehen. Bei den radikalen Innovationen liegt es demnach dann auch in der Hand des Staates, diese durch eine aktive Industriepolitik mitzugestalten und strategisch in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

 

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