Joachim Fritz-Vannahme
27. Februar 2020

#Paris, toujours Paris!

Die Bürgermeisterin von Paris heißt Anne Hidalgo. Zumindest bis zu den Kommunalwahlen am 15. und 22.März. Vermutlich aber auch danach. Und falls wider Erwarten doch nicht – dann gibt es weiterhin eine Bürgermeisterin. Wetten, dass?

Denn die aussichtsreichsten Kandidatinnen sind alle Frauen – neben Hidalgo die konservative Rachida Dati und die liberale Agnès Buzyn.

Letztere musste kurzfristig für Benjamin Griveaux einspringen. Der einstige Regierungssprecher von Emmanuel Macron stolperte über ein Sexvideo, das durch eine Intrige an die Öffentlichkeit gelangte. Die Details kann man hier nachlesen, die aberwitzige Geschichte ruft eigentlich nach einem Alexandre Dumas des 21.Jahrhunderts, ein Verleger findet sich nach all‘ der Publicity garantiert.

 

Paris ist nun einmal feminin

 

Paris ist die Metropole, die gemeinhin mit der Frau an sich in Verbindung gebracht wird, nicht nur der Mode wegen. Das Feminine – immerhin, die Hälfte der Menschheit – drängt nun auch an der Seine mit Macht zur Macht.

Alle drei Kandidatinnen sind schon von ihrer Herkunft her unsere Aufmerksamkeit wert.

Die Sozialistin Anne Hidalgo ist die Tochter spanischer Flüchtlinge vor dem Franco-Regime, geboren in der Nähe von Cadiz, getauft als Ana.

Rachida Dati stammt aus einfachen Verhältnissen, das zweitälteste von elf Kindern eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Mutter, betont als „fille de France“ ihren Erfolgsweg, der sie unter Präsident Nicholas Sarkozy zur Justizministerin und dann zur Europa-Abgeordneten führte.

Und die Ärztin und bisherige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn ist Tochter eines polnischen Juden, der anders als andere in seiner Familie Auschwitz überlebte.

 

Le Monde nennt sie „Die Drei Grazien“

 

Paris, Du hast es besser. Denn in welcher europäischen Metropole drängen drei Frauen mit solchen Biographien ins Rathaus? „Die drei Grazien“ nennt die Zeitung Le Monde die Kandidatinnen – ihre Leitartiklerin heißt Françoise Fressoz und setzt gleich noch einen darauf: „Die drei Grazien sind drei Angstfreie.“

Doch was wollen die drei Frauen mit ihrer Stadt? Wie soll Paris nach sechs Jahren Amtszeit aussehen? Wie soll die „ville lumière“, die Stadt des Lichts leuchten und glänzen zu den Olympischen Sommerspielen 2024?

 

Der Asphalt wurde zum Schlachtfeld

 

Hidalgo hat seit 2014 den Asphalt von Paris zum Schlachtfeld gemacht. Dort kämpfen Fußgänger gegen Radfahrer gegen Autofahrer. Schnellwege werden gesperrt, Straßen verkehrsberuhigt, also aufgeschlitzt und aufgegraben. Das nervt Autofahrer wie Radfahrer wie Fußgänger.

Dati setzt im Wahlkampf auf Sicherheit – bei einer ehemaligen Richterin und Justizministerin nicht weiter erstaunlich. Und Buzyn bleiben nur vier Wochen, um in ihrer Stadt (Hidalgo wie Dati kommen ursprünglich aus der Provinz, der France profonde) ein Profil zu gewinnen.

Egal, wer am 22.März die Nase vorn haben wird – Paris wird sich weiter wandeln. Ich selbst habe zehn Jahre in dieser herrlichen Stadt gelebt und gearbeitet – und den Verkehr wie die Touristen, die Hektik wie die Preise verflucht.

 

Alle fluchen über Preise und Touristen

 

Auch wenn vieles heute ziemlich anders aussieht, an diesen Störfaktoren hat sich nichts geändert. Wer mag, kann das in einem Streitgespräch nachhören, in Alain Finkielkrauts „Répliques“ auf France Culture. „Wird Paris immer Paris bleiben?“, fragte der streitbare Finkielkraut seine Gäste, den Schriftsteller Benoît Duteurtre und den Journalisten Thomas Legrand.

Wir heben uns diese quicklebendige Sendung auf bis 2024: Denn wenn die Jugend der Welt dann zu Olympia nach Paris strömt, wie das so heißt, wird im Rathaus Bilanz gezogen, egal, ob dort dann eine Buzyn, Dati oder Hidalgo sitzt.

 

„Paris vaut bien une messe

 

Zwei Wetten: Auch dann wird über den Verkehr und die Touristen, über die Hektik und die Preise geschimpft werden.

Und in Notre-Dame De Paris wird bis dann, über fünf Jahre nach dem großen Brand noch immer keine Messe gehalten worden sein. Selbst wenn Paris eine Messe wert ist.

 

 

Hintergrundbild: Photo by Isaiah Bekkers on Unsplash

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